520 Sprüche — Seite 13
Was den Menschen über das bloß Gegebene hinausdenken lässt, wird seit jeher mit dem Geist verbunden. In ihm liegen Schärfe des Verstandes, schöpferische Vorstellung, Urteilskraft und jene Freiheit, die nicht nur reagiert, sondern entwirft. Darum ist dieses Thema von besonderer Tiefe für Kultur, Erkenntnis und Selbstverständnis.
Seine Größe zeigt sich nicht in Lautstärke, sondern in Klarheit, Weite und Unabhängigkeit des Denkens. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten Einsamkeit und Genialität, Bildung und Einbildung und machen deutlich, wie viel Verantwortung in geistiger Kraft liegen kann.
Kenntnisse kann jedermann haben, aber die Kunst zu denken ist das seltenste Geschenk der Natur.
— Friedrich der Große
Kein Wunder, dass uneheliche Kinder gemeiniglich die besten Köpfe sind. Sie sind die Folge einer geistreichen Stunde, die ehelichen oft der Langeweile.
— Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere
Es gehört nicht viel Geist dazu, alles zu verwirren, viel aber, alles auszugleichen.
— Charles-Louis de Montesquieu
Der Geist ist dem selben Gesetz unterworfen wie der Körper: Beide können sich nur durch beständige Nahrung erhalten
— Marquis de Vauvenargues
Leute, die sich stets um ihre Gesundheit sorgen, sind wie Geizhälse die Schätze horten und nie den Geist aufbringen, sich daran zu erfreuen.
— Laurence Sterne
Maß in Büchern, Gedanken und Stil üben auf den Geist denselben guten Eindruck aus, den ein ruhiges Antlitz auf unsere Augen und unsere Stimmung macht.
— Joseph Joubert
Bücher machen ist ein Handwerk wie Uhren machen, und zu einem Schriftsteller gehört mehr als nur Geist.
— Jean de la Bruyère
Einen Dummkopf zu betrügen, ist eine Handlung, die eines Menschen von Geist würdig ist.
— Giacomo Casanova
Wer nicht den tiefen Sinn des Lebens im Herzen sucht, der sucht vergebens, kein Geist und wär er noch so reich, kommt einem edlen Herzen gleich.
— Friedrich von Bodenstedt
Wenn du helle Dinge denkst, ziehst du helle Dinge an dich heran
— Prentice Mulford
Der Geist, der allen Dingen Leben verleiht, ist die Liebe.
Nichts fürchtet ein dummer Mann mehr als eine gescheite Frau.
— Christian Johann Heinrich Heine
Die Menschen, bei denen Verstand und Gemüt sich die Waage halten, gelangen spät zur Reife.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Gedanken sind in der geistigen Welt, was Empfindung in der sinnlichen Welt ist.
— Bettina von Arnim
Die einseitige Ausbildung der geistigen Fähigkeiten bei Vernachlässigung der körperlichen, führt mit Notwendigkeit zur körperlichen Verkrüppelung…
— Wilhelm Liebknecht
Ich habe gefunden, dass Menschen mit Geist und Witz auch immer eine feine Zunge besitzen; jene aber mit stumpfem Gaumen beides entbehren.
— Voltaire
Die Liebe ist die Vergeistigung der Sinne.
— Diotima
Etwas Ungeheures entsteht da vor uns und mit uns - eine geistige Gebirgslandschaft, die man ein Leben lang nicht zu Ende ergründen und auslernen kann.
— Christian Morgenstern
Wer in sich pflegt den Geist der Liebe, dem lebt er in der ganzen Welt; Dem spricht er nachts aus tausend Sternen und tags vom lichten Himmelszelt.
— Otto von Leixner
Ein kluger Mann lebt weder geistig noch finanziell über seine Verhältnisse.
— Philip Chesterfield