806 Sprüche — Seite 44
Wo Schwere nicht geleugnet, aber auf menschliche Weise gelockert wird, zeigt sich Humor. Er verbindet Schärfe mit Milde, Distanz mit Wärme und macht das Leben erträglicher, ohne es kleinzureden. Deshalb besitzt dieses Thema eine kluge Heiterkeit, die weit über bloßen Witz hinausgeht.
Sein Wert zeigt sich besonders dort, wo Verbissenheit den Blick verengt und ein Lächeln wieder Luft schafft. Humor schützt vor Übersteigerung des eigenen Ichs und verleiht selbst ernsten Situationen ein Stück Beweglichkeit.
Wenn im Mai die Triebe walten, kann den Bauern keiner halten.
Kehr'n die Störche spät zurück, ha'm die Frösche großes Glück.
Kommt der Gockel untern Trecker gibt es morgen früh keinen Wecker
Wenn der Knecht zum Waldrand hetzt, war das Plumpsklo schon besetzt!
Liegt mittags Weißes in den Suppen, dann hat die Bäu'rin wieder Schuppen!
Der Bauer stark nach Jauche stinkt, er Hahne mit dem Brechreiz ringt
Der Euterstrahl wird immer dünner, hat der Bauer klamme Finger.
Der Hofhund, der die Hühner frißt, ein hundsgemeines Haustier ist.
Es lässt den Bauern gar nicht ruh'n, wenn die Hähne morgens muh'n.
Fällt der Vollmond auf das Dach, werden alle Bauern wach!
Geht die Bäurin in die Breite, sucht der Bauer schnell das Weite.
Hat der Bauer Hühneraugen, trägt er Schuhe, die nichts taugen
Hülsenfrucht zum Abendbrot, morgens sind die Fliegen tot!
Hüpft der Ochse auf dem Schwan, handelt sich's um Rinderwahn
Ist der Bauer noch nicht satt, fährt er sich ein Hähnchen platt.
Kotzt der Bauer in das Heu, stinkt es bald wie Katzenstreu.
Liegt der Bauer unterm Tisch, war das Essen nimmer frisch!
Melkt die Bäu'rin nachts die Ziegen, wird es wohl am Vollmond liegen
Mischt der Bauer Gift zur Butter, ist sie für die Schwiegermutter!
Schlapp liegt der Bauer auf der Wiese, unter ihm die Magd Luise.