388 Sprüche — Seite 16
Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.
Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.
Schönheit bringt den Topf nicht zum Kochen
Morgen sollen alle Fehler korrigiert werden; aber dieses Morgen kommt niemals.
Willst du ewig leben, musst du Wein trinken und Nudeln essen.
Ein Schiff im Hafen ist sicher. Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut.
Räder, die quietschen, bekommen das meiste Fett.
Auf ein Buchenscheit gehört ein Buchenschlägel.
Bei sich zuhause ist der Hund am stolzesten.
Wer sein eigener Lehrmeister sein will, hat einen Narren zum Schüler
Whisky: Ein Glas ist fabelhaft, zwei sind zu viel, drei sind zu wenig
Zwei Drittel der Hilfe ist, Mut einzuflößen
Ein Gott, eine Frau, aber viele Freunde.
Selten tritt dem Weisen das Schicksal in den Weg
— Seneca
Am Tage, da einer alles weiß, laß ihn ruhig sterben!
Es ist niemals zu spät, vernünftig und weise zu werden. Es ist aber jederzeit schwerer, wenn die Einsicht spät kommt, sie in Gang zu bringen.
— Immanuel Kant
Alle Narrheit erschöpfen - so gelangt man zum Boden der Weisheit
— Ludwig Börne
Aus allen Hütten qualmt es; jeder hat seine Sorgen.
Und doch ist selbst die größte Sammlung des Weltgeistes, das Zusammentragen der wichtigsten Gedankengüter, nur ein lächerlicher Ausschnitt aus der Unendlichkeit des Geistes selber. Also bedenke in Dem …
— Nikolaus von Kues
Kein Weiser, glaube mir, spricht: "Morgen will ich leben." Der Morgen ist zu spät; heut ziemt sich's anzuheben.
— Martin Opitz
Alles in die Pfanne hauen ist leichter als Pfannkuchen backen.
Gar mancher kommt trotz vielem Lesen mit dem Verständnis in die Brüche. Wohl hat er die Sprüche der Weisheit gelesen, doch nicht verstanden die Weisheit der Sprüche.
— Friedrich von Bodenstedt