492 Sprüche — Seite 8
Kaum ein Gefühl flammt so schnell auf und hinterlässt doch oft so lange Schatten wie der Ärger. Er entsteht aus Kränkung, Enttäuschung, Ungeduld oder dem Eindruck, übergangen zu werden, und verrät damit viel über Erwartungen und Empfindlichkeit. Gerade deshalb ist er nicht nur lästig, sondern auch aufschlussreich für das eigene Innenleben.
In ihm zeigt sich, wie schmal der Abstand zwischen verletztem Stolz und berechtigtem Unmut sein kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben diesem aufgewühlten Zustand eine prägnante Sprache und erinnern daran, dass Ärger zwar menschlich ist, aber nicht jedes letzte Wort behalten sollte.
Der Mann, dem du zürnest, muss deines Zornes wert sein.
— Friedrich Maximilian von Klinger
Es bedarf deines Feindes und deines Freundes - in vereinten Werk -, um dich bis ins Mark zu verletzen: Erster verleumdet dich, letzterer überbringt dir die Nachricht.
— Mark Twain
Ich ärgere mich nicht! Ärger ist ungesund und unwissenschaftlich.
— Georg Büchner
Aber, wenn er dies erfuhr, ging's ihm wider die Natur
— Wilhelm Busch
Am Abend schimpf nicht mit deiner Frau, sonst musst du alleine schlafen.
Der Mensch jagt nach Rätseln, und kaum hat er die Auflösung entdeckt, so ärgert er sich über sich selbst.
— Ludwig Tieck
Wir sind nie so sehr in Versuchung, mit anderen zu streiten, als wenn wir mit uns selber unzufrieden sind
— William Hazlitt
Die Gelegenheit ist der größte Dieb.
— Abraham a Sancta Clara
Unterdrückter Ärger wird zu bleibendem Groll — und der schwächt wie eine verschleppte Krankheit. Gezeigter Ärger erleichtert, vergeht und stärkt.
— Else Pannek
Ist wirklich die Welt so schadenfroh, wie du sie schilderst in scharfen Zügen, was ärgerst du über die Menschen dich so und machst ihnen dadurch soviel Vergnügen?
— Heinrich Leuthold
Denn, leider Gottes, so ist der Schlechte, dass er immer was anderes möchte, auch hat er ein höchst verruchtes Gelüst, grade so zu sein, wie er eben ist.
— Wilhelm Busch
Ist der Wagen einmal umgekippt, so fehlt es nicht an Ratschlägen.
Wenige Leute haben Mut genug, unangenehme Ratschläge zu geben
— Christina I. von Schweden
Zum Raube lächeln heißt, den Dieb bestehlen. Doch selbst beraubst du dich durch unnütz Quälen.
— William Shakespeare
Hohle Köpfe klappern am meisten.
Die Frau kann mit der Schürze mehr hinaustragen, als der Mann mit dem Erntewagen hineinfährt.
Ist der Branntwein im Manne, ist der Verstand in der Kanne.
Betrübnisse sind die Sprossen der Leiter, die zum Himmel führt.
Das beste Mittel gegen viele Sorgen ist eine einzige Sorge.
— Guy de Maupassant
Es ist nichts widerwärtiger als ein Dummkopf, der Glück hat.
— Marcus Tullius Cicero