770 Sprüche — Seite 28
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Blumen sind das Lächeln der Natur. Es geht auch ohne sie, aber nicht so gut.
— Max Reger
Gott ist dreifach von Person und doch einfach von Natur. Gott ist auch an allen Orten, und an jedem Ort ist Gott ganz. Das will so viel sagen, dass alle Orte ein Ort Gottes sind.
— Eckhart von Hochheim
St. Paulus klar, gutes Jahr - bringt er Wind, regnet's geschwind. (14. Jan.)
Das Schwein legt sich zur Ruhe, in des Bauern Tiefkühltruhe.
Eine Katze in Handschuhen fängt keine Mäuse.
— Benjamin Franklin
Mancher rauft den toten Löwen beim Bart, der ihn lebend nicht ansehen durfte.
Jedes Tierchen, selbst das Kleinste, hängt an seinem bißchen Leben.
Eine Krähe sitzt gern bei der anderen.
Alten Freund für neuen wandeln, heißt für Früchte Blumen handeln.
— Friedrich von Logau
Es schlägt nicht immer ein, wenn es donnert
Kein Bauer wankt nach Hause nach einem Gläschen Brause.
Jugendliebe dauert nicht länger als Schnee im April.
Auch die dunkelste Wolke hat einen silbernen Rand.
Das Licht der Herrlichkeit strahlt mitten in der Nacht. Wer kann es sehn? Der Augen hat und wacht.
— Angelus Silesius
Die Henne ist der Umweg des Ei's, ein anderes Ei zu erzeugen.
— Laurence Sterne
Allein aus Freude am Sehen und ohne Hoffnung, seine Eindrücke und Erlebnisse mitteilen zu dürfen, würde niemand über das Meer fahren.
— Blaise Pascal
Pass dich dem Schritt der Natur an; ihr Geheimnis heißt Geduld.
— Ralph Waldo Emerson
Wenn der Mond Dir leuchtet, brauchst Du nicht mehr nach den Sternen zu schielen
Genieße jedes Wetter, solange es die Natur erlaubt.
Zyniker: ein Mensch, der, wenn er Blumen sieht, nach dem Sarg Ausschau hält.
— H. L. Mencken