770 Sprüche — Seite 3
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Schlägt der Blitz den Bauer tot, spart sein Weib ein Abendbrot.
Wenn's am Ulrichstag donnert, fallen die Nüsse vom Baum. (04. Juli)
Am Regenbogen muss man nicht Wäsche aufhängen wollen.
— Johann Peter Hebel
Jede Landschaft hat ihre eigene besondere Seele, wie ein Mensch, dem du gegenüber stehst.
— Christian Morgenstern
Du kannst noch so lange an der Olive zupfen, sie wird deshalb nicht früher reif
Auf einen dunklen Dezember folgt ein fruchtbares Jahr.
Die Natur ist unerbittlich und unveränderlich, und es ist ihr gleichgültig, ob die verborgenen Gründe und Arten ihres Handelns dem Menschen verständlich sind oder nicht.
— Galileo Galilei
Moral ist eine Wichtigtuerei des Menschen vor der Natur.
— Friedrich Nietzsche
Nur im ruhigen Teich spiegelt sich das Licht der Sterne.
Die Natur hat das Gesäß für die Ruhe geschaffen, da die Tiere ja stehen können, ohne müde zu werden, der Mensch jedoch seiner Sitzfläche bedarf.
— Aristoteles
An einem offenen Paradiesgärtchen geht der Mensch gleichgültig vorbei und wird erst traurig, wenn es verschlossen ist.
— Gottfried Keller
Die Natur hat Vollkommenheit, um zu zeigen, dass sie das Abbild Gottes ist, und Mängel, um zu zeigen, dass sie nur das Abbild ist.
— Blaise Pascal
Fällt der Bauer nachts vom Dach wird sogar die Bäurin wach.
Weder die Sonne noch den Tod kann man fest ins Auge fassen.
— François de la Rochefoucauld
Wir sind so gerne in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
— Friedrich Nietzsche
Es gehört zum Begriff des Spazierengehens, dass man keinen ernsthaften Zweck damit verbindet.
— Wilhelm von Humboldt
Wo Du eine Rose züchtest, mein Freund, kann keine Distel wachsen.
— Frances Hodgson Burnett
Alles ist fremdes Eigentum, nur die Zeit ist unser. Nur diese eine vergängliche und flüchtige Sache hat uns die Natur gegeben, und dennoch vertreibt uns daraus, wer will.
— Seneca
Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache.
— Antoine de Saint-Exupéry
Das Wasser nimmt nicht mehr Platz in einer Schale ein, als es bedarf. So gleicht es der Mäßigung.
— Konfuzius