806 Sprüche — Seite 11
In keinem anderen Bereich wird so viel vom eigenen Wesen sichtbar wie im Umgang mit anderen Menschen. Beziehungen enthüllen, was allein verborgen bleibt: Geduld und Jähzorn, Großzügigkeit und Kleinlichkeit, die Fähigkeit zur Bindung und die Neigung zum Rückzug. Deshalb ist das Miteinander eine der aufschlussreichsten Schulen des Lebens.
Was Menschen füreinander bedeuten können, erschließt sich nie vollständig im ersten Blick. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten das vielschichtige Wesen menschlicher Begegnung: die Nähe, die trägt, den Widerstand, der reift, und jenes stille Erstaunen, das entsteht, wenn ein anderer einem das zeigt, was man allein nicht sehen konnte.
Das schönste Geschenk, das dem Menschen verliehen wurde, ist die Freundschaft.
— Marcus Tullius Cicero
Das Leben wär nur halb so nett, wenn keiner einen Vogel hätt.
Jeder will unbedingt etwas Großes leisten, obwohl das Leben hauptsächlich aus Kleinkram besteht.
Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können
— Johann Wolfgang von Goethe
Zwei Kluge gehen nicht den gleichen Weg.
Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie "ich" sagen.
— Theodor W. Adorno
Der Mensch ist derart in den Menschen verliebt, dass er, wenn er der Stadt entflieht, doch wieder die Menge sucht, d. h., er will die Stadt auch auf dem Lande wiederherstellen.
— Charles Baudelaire
Von allem, was ich Schönes weiß, behält die Freundschaft doch den Preis; und wer auf dieses Gut sich nichts zugute tut, verdient kein ehrlich Blut. Wär uns die Freundschaft nicht verliehn: so würde …
— Christian Fürchtegott Gellert
Libenswärte Vehler sind angenehmer als unausstehliche Tugenden
Einfluß auf Menschen ist mehr wert als Reichtum.
— Marquis de Vauvenargues
Der Pfeil des Mundes tötet viel Wild.
Nur der Geduldige wird Sieger.
Fehlplanung ist etwas, was viele Menschen mit Schicksal verwechseln
— Jean-Baptiste Molière
Wenn du regieren willst, darfst du die Menschen nicht vor dir herjagen. Du musst sie dazu bringen, dir zu folgen.
— Charles-Louis de Montesquieu
Mit einem Menschen, welcher den gekreuzigten Gottmenschen verehrt, ist immer noch mehr anzufangen als mit einem, der weder an die Menschen noch an die Götter glaubt.
— Gottfried Keller
Die Menschen kann man entbehren, aber mancher braucht einen Freund.
Beim Menschen ist kein Ding unmöglich, im Schlimmen wie im Guten
— Christian Morgenstern
Das Gedächtnis mancher Menschen ist wie ein Sieb, weil ihre Gedanken nicht groß genug sind, um darin haften zu bleiben.
— John Knittel
Früher oder später, aber gewiss immer, wird sich die Natur an allem Tun der Menschen rächen, das wider sie selber ist.
— Johann Heinrich Pestalozzi
Unter Menschen schafft der Dank die tiefste Gemeinschaft, welches zuletzt stärker ist als alles, was sich zwischen sie schieben kann.
— Albert Schweitzer