806 Sprüche — Seite 65
In keinem anderen Bereich wird so viel vom eigenen Wesen sichtbar wie im Umgang mit anderen Menschen. Beziehungen enthüllen, was allein verborgen bleibt: Geduld und Jähzorn, Großzügigkeit und Kleinlichkeit, die Fähigkeit zur Bindung und die Neigung zum Rückzug. Deshalb ist das Miteinander eine der aufschlussreichsten Schulen des Lebens.
Was Menschen füreinander bedeuten können, erschließt sich nie vollständig im ersten Blick. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten das vielschichtige Wesen menschlicher Begegnung: die Nähe, die trägt, den Widerstand, der reift, und jenes stille Erstaunen, das entsteht, wenn ein anderer einem das zeigt, was man allein nicht sehen konnte.
Es ist die Würde des Menschen im Schriftsteller, was den Stil macht, nicht das Können.
— Fanny Lewald
Es ist sehr leicht, die Menschen zu behandeln, wenn man sie nicht achtet.
— Fanny Lewald
Wir Menschen sind ein Scherz Gottes
— Simone Weil
Es bleibt immer etwas hängen am Menschen von seiner Heimat.
— Wilhelmine Heimburg
Niemand kennt die Menschen so gut wie der Beichtvater, der Bankier und der Bettler.
Das Äußere des Menschen ist der Text zu allem, was man über ihn sagen kann.
— Rahel Varnhagen von Ense
Es ist noch Phantasie im Menschen übrig für idealistische Zustände, und die will Stoff, Nahrung.
— Rahel Varnhagen von Ense
Von Menschen kommt kein Glück. Da erwartet man es nur.
— Rahel Varnhagen von Ense
Die Tiere fliehen den Menschen, weil sie Gottes Bildnis im Menschen nicht mehr erkennen können.
— Manfred Kyber
Ein Stern, den Gott entzündet, ist jedes Menschen Herz.
— Friedrich Julius Hammer
Religion ist die philosophische Poesie der Welt. Bei ihrer Gestaltung waren die poetischen und philosophischen Kräfte des Menschen zugleich tätig. Sie zu missachten ist darum immer eine Rohheit.
— August Pauly
Was die Menschen Glück nennen, ist das Gemeinste am Leben, den Niederträchtigsten am leichtesten erreichbar.
— August Pauly
Die Köpfe mancher Menschen sind gebaut wie ihre Füße: vorne platt und in der Mitte hohl.
— August Pauly
Es muss doch an jedem Menschen etwas Wertvolles sein, dass man ihn zuletzt wie einen Schatz vergräbt.
— August Pauly
Die großen Menschen aller Zeiten bilden eine einzige Zeit.
— August Pauly
Für einen Arzt und einen Richter ist es schwer, kein Verächter der Menschen zu werden.
— Theresa Keiter
Nichts kann wohl Herz und Phantasie, überhaupt die edleren Organe des Menschen höckerartiger belasten als Kleinigkeitssinn.
— Heinrich Martin
Wir selber, wir Menschen – das Göttliche in uns – müssen an unserem eigenen Teil vollbringen das schwere Werk der Verklärung und Vergeistigung dieser Erbmasse. Niemand befreit uns davon. Gott ist in …
— Friedrich Lienhard
Das Wandern und Schweifen ist eine grund- und tiefdeutsche Eigenschaft. Immerfort sind sie unterwegs. Kärrner, Kaufleute, Künstler, Dichter, Mädchen und Knaben.
— Jakob Wassermann
Die Menschen werden alt, aber selten reif
— Alphonse Daudet